Nachdem uns Markus im vergangenen Jahr so von seiner Teilnahme an der Europeade in Klaipeda/Litauen vorgeschwärmt hatte, beschlossen wir, in diesem Jahr schauen wir uns das selbst einmal an.
Da wir mit 6 Personen allein nicht tanzfähig waren, schlossen wir uns der Volkstanzgruppe SUS Neuenkirchen an, die bereits schon an vier Europeaden teilgenommen hat und somit alte Hasen sind. Damit wir auch gemeinsam tanzen konnten, haben wir uns bereits im Frühjahr zu zwei gemeinsamen Übungsnachmittagen in Neuenkirchen getroffen. Wir wollten uns schliesslich bei der Eröffnung nicht blamieren.
Am 20.07.10 ging es dann los. Die Neuenkirchener holten uns mit dem Bus in Marienfeld ab und es ging am Dienstag erst einmal bis Oberpframmern in Bayern. Hier hatte Dieter einen sehr schönen Gasthof gebucht. Es erwartete uns noch einmal ein leckeres Abendbuffet, ein weiches Bett und eine warme Dusche. Doch nachdem wir alle das italienisch-bayrische Buffet genossen hatten, stand erst einmal eine Übungsstunde auf dem Programm.
Am Mittwoch stand noch ein reichhaltiges Frühstücksbuffet für uns bereit, bevor wir uns auf den Weg Richtung Italien machten. Nach diesem Buffet sehnte sich so manch´ einer in den nächsten Tagen zurück. Gegen Mittag legten wir noch eine Pause in Brixen ein, wo wir uns den Dom ansehen konnten. Dieter hatte sich wieder wunderbar vorbereitet und konnte eine Menge historischer Dinge zum Dom und zum Kreuzgang erzählen. Am Nachmittag erreichten wir dann endlich Bozen. Wir waren doch alle ziemlich gespannt wo und vor allem wie wir in den nächsten Tagen untergebracht waren. Wir wussten ja nur, das die Übernachtungen gemeinsam mit 3.000 anderen Tänzern in der Messehalle stattfinden sollte. Liesel und Angelika erledigten die offizielle Anmeldung und holten unsere Unterlagen ab, während sich die ersten auf die Suche nach unserem Quartier machten. So hatten wir auch nach einiger Zeit das „Zimmer“ gefunden und zogen ein. Die vielen Helfer der Europeade hatten für alle Teilnehmer bereits im Vorfeld Luftmatratzen aufgeblasen, die sich in den nächsten Nächten sogar als recht bequem entpuppten. Die Neuenkirchener waren aber wie gesagt schon alte Hasen und hatten ihre eigenen Gästeluftbetten mitgebracht. Nachdem alle Luftmatratzen, Gästebetten, Schlafsäcke, Trachten und was wir sonst noch alles mit hatten verstaut waren, stand für die meisten der erste Erkundungsgang durch die Messehalle an. Wo waren die Toiletten, die Duschen, andere Gruppen, die wir vielleicht kannten und wo gab es das Feierabendbier. Wir haben alles gefunden. Ausgerüstet mit unserem Europeadeteilnehmerausweis und dem Essensvoucher ging es dann mit dem Zug in die Innenstand und von da aus noch ein ganzes Stück zu Fuss in die Talferwiesen. Hier war ein riesiges Schützenfestzelt aufgebaut und wir stellten uns erst einmal in einer Schlange an, schliesslich hatten nicht nur wir Hunger, sondern auch 5.500 andere Tänzer. Das erste Abendessen verlief daher auch noch etwas chaotisch, aber in den nächsten Tagen spielte sich auch das Küchenteam ein. Am Abend stellten sich ausschliesslich Südtiroler Gruppen in der Innenstadt vor. Anhand des orangefarbenen Schlüsselbandes mit dem Teilnehmerausweis hatte man uns natürlich schnell als Volkstänzer erkannt und so wurden wir kurzerhand aufgefordert gemeinsam mit den Südtirolern die Sternpolka zu tanzen. Zurück in den Messehallen ging es noch in den Biergarten. Was uns hier erwartete, damit hatten wir nicht gerechnet. An einer Stelle spielten Italiener, an anderer Stelle Spanier und alle miteinander haben getanzt. Dieser Abend war nur der Auftakt, in den nächsten Tagen lief so manch einer noch zur Hochform auf. Um 23 Uhr sollte eigentlich Nachtruhe sein, aber wer südländisches Temperament kennt, kann sich vorstellen, dass das nicht immer klappte.
An allen Tagen der Europeade fand auf verschiedenen Plätzen in der Stadt die Vorstellung aller Tanzgruppen und Chöre statt. Den Donnerstag hatten wir jedoch zur freien Verfügung und nutzen den Vormittag um mit der Kollern Seilbahn zu fahren und einen Blick von oben auf die Stadt Bozen zu werfen. Nachdem wir unsere Lunchpakete im Supermarkt noch mit einigen leckeren Dingen ergänzt hatten, verbrachten wir den Nachmittag bei Sonnenschein mit einem Picknick an der Talfer. Das eiskalte Wasser kühlte uns bei sommerlichen 30 – 35 Grad auch wieder ein wenig ab. Am Abend fand dann in der Eissporthalle die Eröffnungsfeier der Europeade statt, an der auch wir als Tänzer teilnehmen durften. Die Hälfte der Tanzgruppen tanzte auf der Eröffnungsfeier, die andere Hälfte auf der Schlussfeier. Ein perfekt durchorganisiertes 3-stündiges Programm erwartete uns.
Am Freitag hatten wir drei Auftritte auf dem Programm. Der erste fand vormittags am Obstmarkt mit vielen Zuschauern statt. Der zweite war etwas ausserhalb und es tanzte nur noch die halbe Mannschaft. Netterweise war die Gruppe, die vor uns getanzt hat geblieben, sonst hätten wir kaum Zuschauer gehabt. Na ja und den dritten Auftritt haben wir dann platzen lassen. Am Abend stellten sich die teilnehmenden Chöre im Haydnauditorium vor. Die Europeade by Night fiel an diesem Abend buchstäblich ins Wasser. Es kam ein heftiger Regenschauer herunter, so dass der Platz wie leergefegt war. Doch irgendwann traute sich ein einzelnes Paar auf den Platz und fing an zu tanzen. Es dauerte nicht lange und es kamen aus allen Ecken weitere Paare dazu und fingen auch an im Regen zu tanzen. Es war schon ein lustiges Spektakel.
Der Regenschauer vom Vortag hatte auch sein Gutes. Hatten wir in den vergangen Tagen bei hochsommerlichen Temperaturen geschwitzt, hatte es sich am Samstag doch auf angenehme 25 Grad abgekühlt. So stand einem Umzug bei wunderschönem Wetter nichts mehr im Weg. Nachdem sich die Gruppen im Drusenstadion aufgestellt hatten, schlängelte sich ein bunter ca. 2 km langer Lindwurm durch die Stadt. Es war schon toll, blauer Himmel, im Hintergrund schneebedeckte Berge und überall lachende Gesichter, so macht ein Umzug Spass.
Am Sonntag nutzten wir noch die Zeit, um einen Ausflug in die Umgebung zu machen. Wir fuhren durch die Dolomiten und zum Kalterer See. Am Abend fand dann die grosse Schlussveranstaltung im Eissportstadion statt. Nachdem wieder ein 3-stündiges Tanzprogramm vorangegangen war, fand die offizielle Übergabe an den nächsten Ausrichter der Europeade statt. Alle teilnehmenden Gruppen aus Estland standen auf der Bühne und es folgte eine feierliche Übergabe der Europeadeflagge an den Bürgermeister von Tartu. Im Anschluss an die Feier fand wieder ein fröhliches Beisammensein im Biergarten statt.
Am Montag wurden am frühen Morgen noch schnell die Reste zusammengepackt und es ging wieder Richtung Deutschland, diesmal auf direktem Weg ohne Zwischenübernachtung.
Fazit: Eine Europeade kann man kaum beschreiben, die muss man erleben. Wir haben schon an vielen, schönen Fahrten teilgenommen, aber eine Europeade ist etwas Besonderes. 5.500 Tänzer, 203 Gruppen aus 27 Nationen, dass ist unbeschreiblich. Man spricht nicht dieselbe Sprache, gemeinsames Tanzen geht aber immer. Wer weiss, an welcher Europeade wir als nächstes teilnehmen. 2011 Tartu, 2012 London oder vielleicht an der 50. Europeade in Gotha?
Reisebericht von Anke Kosfeld