Alleine in Litauen….
… oder wie 4000 Tänzer Klaipeda rocken!
Alle Jahre wieder findet irgendwo, in einer europäischen Metropole, ein Fest statt, dass seines gleichen sucht. Die „Europeade“!
Nie gehört? So ging es uns bis vor einem Jahr auch, denn damals fragte eine befreundete Gruppe an, ob wir sie unterstützen können? Am Ende war ich der Einzige, der Zeit und Gelegenheit hatte, diese Reise zu wagen. So begann ich an einem Juli Montagnachmittag meine Reise allein nach Litauen.
Zuerst ging es nach Rodewald, wo mir am Vorabend der eigentlichen Anreise das Programm der kommenden Tage beigebracht wurde. Am nächsten Morgen ging es dann wirklich los. Zuerst zusammen mit einer weiteren Gruppe mit dem Bus nach Kiel und von dort mit der Fähre nach Klaipeda (ehem. Memel) in Litauen. Allein die Erlebnisse auf dieser Überfahrt machten alle Strapazen einer 24stündigen Seereise vergessen. Auf dem Achterdeck sollte unsere Generalprobe stattfinden. Aber schon nach der 1. Runde fanden sich weitere Gruppen und Musiker ein, so dass sehr schnell 7 Musiker und zeitweise ca. 100 Tänzer bis in den späten Abend Tänze aus allen beteiligten Ländern miteinander tanzten und dabei einen herrlichen Sonnenuntergang genießen konnten.
In Klaipeda waren alle Gruppen in Schulen untergebracht, was dazu führte, dass allabendlich Leute zusammen kamen und ungezwungen bei Musik und Tanz schnell alle Sprachbarrieren vergessen ließen und spontane Partys veranstalteten. Offizielle Programmpunkte, wie die Eröffnung- und die Abschlussveranstaltung fanden in einem Freilichtstadion statt. Tausende Zuschauern verfolgten das bunte Treiben von z. T. sechs gleichzeitig tanzenden Gruppen. Das größte Spektakel war der zur Europeade gehörende Umzug. Was kann das schon sein dachten einige von uns. Wir wurden eines Besseren belehrt! 160 Gruppen, die meisten mit eigenen Musikanten, eine Vielzahl Musikgruppen von 10-80 Instrumenten, bildeten einen farbenprächtigen Lindwurm, der sich seinen Weg durch jubelnde und mittanzende Zuschauer bahnte. Ein grandioses Erlebnis. Und so ganz anders, als man es hier zu Lande gewohnt ist! Im Anschluss heizten Musikgruppen aus allen europäischen Ländern im halbstündigen Wechsel den ca. 4 bis 5tausend Zuschauern und Tänzern mächtig ein. Spontane Ketten und tosender Beifall waren der Dank für erstklassige Musikdarbietungen. Das Durchschnittsalter der tobenden Masse haben wir auf ca. 30 Jahre geschätzt. Natürlich ging es im Anschluss auch in „unserer Schule“ weiter. Eine sardische Gruppe hatte ein Buffet errichtet, Musiker aus Spanien spielten. Dazu tanzten wir mit Eskimos, Griechen und Schotten. Die Schule bebte! Mitten im schönsten Treiben hieß es für uns Abschied nehmen. Ein Bus sollte uns noch in dieser Nacht nach Riga bringen, von wo am nächsten Morgen nach einer frühmorgendlichen Stadtführung unser Flug nach Hannover ging. Schade! Alles hat ein Ende. Begleitet von allen Musikanten und einem Spalier unserer neu gewonnenen Freunde verließen wir Klaipeda mit Wehmut und der Freude auf die nächste Europeade 2010 in Bozen!
Klingt das nicht aufregend, kurzweilig und macht Lust auf Tanzen, fremde Völker, Kulturen und gelebte Völkerverständigung? Da ist es kaum zu glauben, dass hier von Volkstanz die Rede ist, das fälschlicherweise als altbackenes Rumgehoppse nach uncooler Mucke für alte Leute verschrien ist?!
Ein Reisebericht von Markus Theißen