In der Zeit vom 16.05. – 21.05.2002 ging die Volkstanzgruppe Marienfeld e.V. wieder auf große Reise. Im Rahmen der 10-jährigen Partnerschaftsfeier der Kreise Gütersloh und Valmiera fuhren wir mit einer 40-köpfigen Delegation des Kreises Gütersloh nach Lettland und besuchten ein zweites Mal unsere Freunde aus Naukseni.
16.05.2002
Bereits um 4.00 Uhr ging die Fahrt zum Flughafen Düsseldorf los. Hier trafen wir auch auf die Delegation vom Kreis, die aber über Frankfurt nach Riga flog. Pünktlich um 8.15 Uhr setzte sich der erste Flieger in Richtung Kopenhagen in Bewegung. Auch Ulla und Günter, die beide zum ersten Mal in einem Flugzeug saßen, konnten den Flug genießen. Beim Einchecken in Kopenhagen gab es anfangs Schwierigkeiten mit dem Bodenpersonal, die Günter´s Akkordeon nicht als Handgepäck akzeptieren wollten, aber nach einigem Hin und Her durfte dieses dann sogar Business Class fliegen. Bei der Ankunft in Riga bekam Burkhard Kirchner erst einmal einen gehörigen Schrecken, war doch sein Paß und das Ticket im Flugzeug verlorengegangen. Während wir bereits auf das Gepäck warteten, versuchte Burkhard nun dem Personal klarzumachen, dass er noch einmal in das Flugzeug zurück musste. Alle Koffer waren in der Zwischenzeit angekommen, doch wo war unsere Fahne und die Hüte der Männer? Auf zum Lost-and-Found-Schalter und siehe da, als wir in Naukseni eintrafen, waren auch die Fahne und die Hüte vor Ort. Doch vom Flughafen ging es erst einmal zur Stadtrundfahrt durch Riga. In Valmiera wurden wir mit dem Musical „Motorrad“ vom Gymnasium Valmiera empfangen. Durch den Rhythmus und die tollen Tänze war die anfängliche Müdigkeit schnell vergessen. Gegen 22.45 Uhr kamen wir dann endlich in Naukseni an. Nach einer kurzen Begrüßung, die meisten kannten sich ja schon, ging es dann in die Gastfamilien.
17.05.2002
Am Freitag stand ein Treffen mit dem Bürgermeister von Naukseni sowie eine Rundfahrt durch den Ort auf dem Programm. Gertud überreichte Herrn Zuments von der Stadt Harsewinkel einen Bierkrug. Im Büro des Bürgermeisters konnten wir auch ein Bild unserer Gruppe entdecken. Anschließend ging es weiter zur Fabrik, die Biodiesel herstellt. Die Jugendgruppe der Feuerwehr zeigte uns in einer kleinen Demonstration ihr Können. Leider kam das Wasser nicht nur aus dem Schlauch, auch von oben öffneten sich die Schleusen kräftig, so dass wir im Kulturhaus erst einmal eine Zwangspause einlegten. Weiter ging es mit Besichtigungen der Schule, der Ambulanz und der Wasserfabrik, bevor es auf dem Gutshof Naukseni hieß „Wir gehen jetzt essen und trinken“, diese Aussage sollten wir in den nächsten Tagen noch sehr oft zu hören bekommen. Abends fuhren wir dann zum Kulturhaus nach Valmiera, hier fand ein Bankett anlässlich der 10-jährigen Partnerschaft statt. In den ersten zwei Stunden folgte eine Rede nach der anderen. Nachdem auch die Medaillen und Urkunden verteilt waren und sich das Publikum erst einmal am üppigen Büffet gestärkt hatte, konnten wir das erste Mal unser Können unter Beweis stellen. Karin und Burkhard Kirchner absolvierten ihren ersten Auftritt mit Bravour. Als dann der offizielle Teil auch für uns beendet war, hieß es ´raus aus den Trachten und ´rein in den edlen Zwirn. Unsere Männer hatten im Vorfeld zwar heftig geflucht, aber an diesem Abend hatten sie sich richtig in Schale geworfen. Im weiteren Verlauf des Abends haben wir dann noch das Tanzbein geschwungen und Kontakte geknüpft. Zu später Stunde haben wir Samirte dann einmal gefragt, wann wir nach Hause fahren, doch sie sagte leichtsinniger Weise „ Ihr seid die Gäste und ihr sagt, wann wir fahren“, ob sie diese Aussage in den nächsten Tagen vielleicht nicht doch bereut hat? Aber bei der Begrüßung hieß es ja, das Jahr hat 365 Tage, 5 Tage seid ihr hier, die anderen 360 Tage könnt ihr zuhause ja schlafen.
18.05.2002
Nach einer kurzen Nacht, es sollten auch die nächsten Nächte nicht länger werden, fuhren wir morgens nach Valmiera. Hier fand ein Stadtfest und Handwerkermarkt statt, auf dem wir gemeinsam mit der Volkstanzgruppe aus Naukseni und weiteren Tanzgruppen tanzten. Für unsere Gruppe gestaltete sich dieser Auftritt dann kurzfristig als problematisch, da Anke vor dem Auftritt meinte, sie müsste mit dem Fuß umknicken und für den Rest des Tages ausfallen. Abgesehen von kleinen Schwierigkeiten verlief der Auftritt aber trotzdem recht gut. Weiter ging es dann zum Park Vecpuisi, wo ein zweiter Auftritt stattfand. Danach hieß es dann wieder einmal „Wir fahren jetzt essen und trinken“. In einem Ausbildungszentrum erwartete uns dann wieder ein reichhaltiges Essen. Nach dem Essen hielt es Günter dann nicht mehr auf dem Platz, hatte er doch mal wieder ein Klavier entdeckt. Nach einigen Tönen knallte es dann auf einmal fürchterlich und wir dachten schon Günter hätte sich die Finger eingeklemmt, ein verknackster Fuß war ja schon schlimm, aber wenn Günter´s Finger spielunfähig geworden wären, dann hätten wir ein echtes Problem gehabt. Zum Glück war es nur die aufgestellte Klappe, die zugeschlagen war, denn Günter spielte zu unserer Erleichterung weiter. Um 18.00 trafen sich dann 36 lettische Volkstanzgruppen zu einem Umzug vom Zentrum zur Estrade. Was uns hier erwartete, lässt sich kaum beschreiben, dass muss man gesehen haben. Auf einer Waldbühne zeigten uns die Gruppen ein zweistündiges Programm, was wir noch nie gesehen hatten. Es tanzten immer mehrere Gruppe zusammen, teilweise standen über 500 Tänzer, bei dem Finale sogar über 1000 Tänzer auf der Bühne und jeder bewegte sich exakt so wie der andere. Gottfried sagte zum Schluß frustriert nur: „Ich gebe die Tanzleitung auf, hier springen 1000 Tänzer gleichzeitig und wir kriegen das nicht ´mal mit 6 Paaren hin“. Nach dem wir uns umgezogen hatten, fuhren wir spätabends noch einmal zur Estrade, hier war mittlerweile eine große Party im Gange. Bei ca. 6° C tanzten wir uns dann bis spät in die Nacht warm. Zum Schluß wurden wir sogar noch vom Diskjockey begrüßt.
19.05.2002
Am Sonntagmorgen fand ein Konzert für die Bewohner Nauksenis statt. Im Anschluß an das Konzert überreichten wir der Gruppe unser Gastgeschenk, für die Damen Wein und für die Herren ein kleines Fäßchen Bier, ebenso sprach Gertrud eine Einladung zum unserem
25-jährigen Jubiläum im kommenden Jahr aus, welche mit Begeisterung aufgenommen wurde. Am Nachmittag konnten wir endlich einmal gemeinsam mit der Gruppe etwas unternehmen, ein gemütliches Beisammensein auf „Udzeni“ stand auf dem Programm. Für den Abend hieß es dann wieder, sich in Schale zu schmeißen, denn es fand auf dem Landgut Naukseni ein Frühlingsball statt. Neben dem Schulorchester, einem Kammerchor und einer Modenschau, gab auch Günter im Kaminzimmer wieder einige Elvis-Songs zum Besten. Durch ihre Musikeinlagen sind Günter und Werner auch bei der Kreisdelegation mittlerweile bestens bekannt. Der Abschluß des Abends fand auf dem Burgberg in Rujiena mit einem Feuer und Musikspektakel statt. Hierhin begleiteten uns auch alle Gastfamilien, teilweise auch mit Kindern, die am nächsten Tag zu Schule mussten, da so ein Spektaktel auch für sie etwas ganz besonderes war.
20.05.2002
Am letzten Tag fand ein Ausflug durch den Kreis Limbazi statt. Auf dem Weg dorthin, mussten wir Günter und Werner noch in Valmiera abholen. Während wir auf die beiden warteten, wurden noch schnell für Werner ein paar Blumen zum Geburtstag gepflückt. Nach der Melodie des Webertanzes brachten wir ihm dann ein Geburtstagsständchen. Eine Frau, die im Garten war, bekam mit, dass jemand Geburtstag hatte und reichte spontan auch einige Blumen über den Gartenzaun. Im Kreis Limbazi besuchten wir ein kleines Museum, das Schloß Bengali und eine Töpferei. Am Nachmittag erreichten wir dann die Ostsee, wo wir einige Zeit verbrachten. Der Sand war schon schön warm, so dass Frank und Werner sich sogar ohne T-Shirt in die Sonne legten. Hätten wir hier den ganzen Tag verbracht, so wäre der ein oder andere sicherlich mit einem Sonnenbrand nach Hause gefahren. Gegen Abend trafen wir die restliche Delegation in Brenguli. Hier fand eine Besichtigung einer Bierbrauerei statt. Zuvor zeigte uns eine Kindertanzgruppe ihr Können. Der Abschiedsabend fand auf „Jaundzervites“ statt. Hier wurden wir von einem Moderator in Empfang genommen, der doch stark an Amerika erinnerte. Zu unserer Freude nahmen auch die Gastfamilien an diesem Abend teil. Nachdem hier noch lange getanzt wurde, mussten wir dann noch mitten in der Nacht unsere Koffer packen.
21.05.2002
Die Zeit war wieder einmal viel zu schnell vergangen und unsere Abreise stand bevor. Zu einem letzten gemeinsamen Frühstück trafen wir uns im Kulturhaus in Naukseni. Als Gastgeschenk bekamen wir einen Bierkrug sowie diverse Sorten Bier übereicht. Gertrud bedankte sich ihrerseits noch einmal ganz herzlich für die uns entgegengebrachte Gastfreundschaft, die wie bereits vor vier Jahren wieder einmal überwältigen war, und überreichte nun die offizielle Einladung zu unserem Jubiläum. Nach einem letzten gemeinsamen Lied ging es nun wieder Richtung Riga. Waren die ersten drei Flüge unproblematisch, so weigerte sich die Bordcrew in Kopenhagen das Akkordeon als Handgepäck zu akzeptieren. Das Ende vom Lied war, dass das Akkordeon nach dem letzten Flug beschädigt in Empfang genommen wurde, sowie zwei weitere Koffer, die den Flug ebenfalls nicht heil überstanden hatten. Mit einstündiger Verspätung machten wir uns dann endlich auf den Rückweg nach Marienfeld.
Abschließend wäre zu dieser Reise zu sagen, es war wieder einmal eine Fahrt aller erster Klasse. Die Hälfte unserer Gruppe war bereits zum zweiten Mal in Lettland, aber auch diejenigen , die diesmal das erste Mal mitgefahren sind, waren begeistert. Es waren wieder sehr viele Eindrücke, die wir auf dieser Fahrt gewonnen haben. Wer gesehen hat, wie die lettische Bevölkerung täglich für ihren Lebensunterhalt kämpfen muß, der weiß wie gut es uns geht.
Reisebericht von Anke Kosfeld