Volkstanzgruppe Marienfeld

Lettlandreise vom 1. Juni - 6. Juni 2006

Nach monatelanger Vorbereitung war es am Donnerstag, dem 01.06.2006, endlich soweit, unsere 3. Lettlandreise stand unmittelbar bevor. Auf diese Reise begleiteten uns auch einige Tänzer und Tänzerinnen der Verler Volkstanzgruppe „De Viärlsche Réigen“.

1. Juni 2006

Da unser Flugzeug in Berlin-Schönefeld starten sollte, begann unsere Anreise schon sehr früh um 3.42 Uhr am Hauptbahnhof in Gütersloh. Treffpunkt sollte bereits um 3.30 Uhr sein, damit alle rechtzeitig da waren. Alle hatten sich in der Bahnhofshalle versammelt, doch wo blieben nur Eckhard und Ludwig? Um kurz nach halb vier kam Eckhard in die Halle gehetzt, schließlich hatte er ja unsere ganzen Reiseunterlagen. Und wo war Ludwig? Bei unserem König hatte schlichtweg der Wecker versagt und er hatte verschlafen. Was nun? Langsam haben wir uns dann auf zum Bahnsteig gemacht, in der Hoffnung, dass der Zug doch vielleicht ein wenig Verspätung hätte. Doch auf die Deutsche Bundesbahn war Verlass, der Zug wurde pünktlich für 3.42 Uhr gemeldet. Im Dunkeln sahen wir schon die Lichter des Zuges auftauchen, als von unten ein Kofferrollen und Laufen zu hören war. So zu sagen in der letzten Minute erreichte Ludwig den Bahnsteig, wie gut dass zu nachtschlafender Zeit nicht so häufig geblitzt wird. Nun da alle Schäfchen beisammen waren, konnten wir uns mit dem ICE auf den Weg nach Berlin machen. Hier kamen wir in dem erst einige Tage zuvor eröffneten Berliner Hauptbahnhof an und mussten uns in diesem riesigen Bahnhof erst einmal orientieren, wo denn nun die Regionalbahn zum Flughafen abfuhr. Nachdem wir unsere Koffer eingecheckt hatten, blieb nur noch wenig Zeit für eine Tasse Kaffee, bevor es schon weiter ging. Da wir bei der letzten Lettlandfahrt schlechte Erfahrung mit dem Transport der Instrumente machen mussten, hatten Mr. Akkordeon und Mr. Gitarre in diesem Jahr ein eigenes Ticket bekommen. So hatten wir uns das zumindest vorgestellt. Die Passkontrolle und das Durchleuchten der Instrumente war dann auch nicht das Problem, nur die Bordcrew weigerte sich, das Akkordeon auf dem Sitzplatz zu tranportieren. Die Crew sprach kein deutsch, so dass die Diskussion nun auf englisch begann, wie denn nun das Akkordeon transportiert werden soll. Die ersten Passagiere fingen schon an sich aufzuregen, wie lange wir denn noch diskutieren wollten, bis sich der Kapitän bereit erklärte das Instrument dürfte mit in der Kapitänskabine fliegen. Warum nicht sofort so? Auf Grund der direkten Flugverbindung und der Rückflugzeit flogen wir diesmal nicht nach Riga, sondern in Estlands Hauptstadt Tallin, wo wir dann mittags von Sarmite und Armands mit grossem Hallo in Empfang genommen wurden. Als erster Programmpunkt für die nächsten Tage stand nun eine Stadtbesichtigung bevor. Die Dame, die die Führung leitete, war ganz enttäuscht, dass wir nur eine Stunde Zeit hatten und sie uns so nur sehr wenig von der wirklich wunderschönen Altstadt Tallins zeigen konnte. Bevor wir uns auf den Weg nach Lettland machen konnten, wollten wir noch zu einem Wasserfall fahren. Die Suche gestaltete sich etwas schwierig, aber der Busfahrer hat ihn dann doch noch gefunden. Gegen 18 Uhr machten wir uns dann endlich auf den Weg, schliesslich lag noch eine ca. 3-4-stündige Busfahrt vor uns, bis wir in Naukseni ankamen. Unterwegs mussten wir dann erst einmal an einer Tankstelle anhalten, da wir mittlerweile doch alle Hunger und Durst hatten. Um 22.30 Uhr hatten wir dann nach 19 Stunden Reisezeit endlich unser Ziel Naukseni erreicht. Für die Volkstänzer aus Verl war es ja die erste Fahrt nach Lettland, einige waren nun das zweite Mal hier, doch die meisten waren nun schon das dritte Mal mit und es war fast wie ein Nachhausekommen. Am Kulturhaus wurden wir von unseren Freunden aus Lettland freudestrahlend begrüßt, waren doch seit unserem letzten Treffen bereits drei Jahre vergangen. Nach der Begrüßung durch Eva und Legita, wurden wir auf unseren Gastfamilien verteilt und es ging nach Hause.

2. Juni 2006

Am Freitagmorgen trafen wir uns alle bei Nauksenis Bürgermeister Janis Zuments, der uns über aktuelle Projekte und Vorhaben in Naukseni informierte. Es war erstaunlich was sich selbst in diesem kleinen Ort in den letzten vier Jahren wieder alles getan hatte. Als Erinnerung hatten wir für das Bürgermeisteramt diesmal ein Bild des Spökenkiekers mitgebracht sowie einen Wandteller der Gemeinde Verl. Aber auch Janis Zuments hatte ein Geschenk parat und überreichte uns eine Flasche des lettischen Heimatwassers Balsam. Von hier aus ging es nun zu einer alten Wassermühle, in der auch heute noch Korn gemahlen und Wolle gesponnen wird. In der oberen Etage zeigte uns die Besitzerin, wie auf alten Maschinen die Wolle erst zu einem Vlies und letztendlich zu einem gesponnen Faden verarbeitet wird. In einem kleinen Raum konnte man hier erstellte Kissen, Decken, Socken etc. erwerben. Unter anderem gab es hier auch Saunahütchen. Im Anschluss an diese Besichtigung hörten wir den Satz, den wir bereits von unseren letzten Aufenthalten gut kannten, wir gehen jetzt essen und trinken. In einem wunderschön renovierten Haus erwartete uns bereits ein reichlich gedeckter Tisch mit Püfferchen, selbstgemachter Erdbeermarmelade und Tee. Für diejenigen unter uns, die Tee nur im Krankheitsfall trinken, gab es zum Glück auch ein frischgezapftes Zelta Gold. Am Nachmittag stand unser erster Auftritt auf dem Programm. Er sollte im Altenheim „Ruja“ stattfinden. In diesem Altenheim hatten wir bereits 1998 bei unserem ersten Besuch getanzt und waren sehr erschüttert über die Verhältnisse, die damals in diesem Heim herrschten. Umso erfreuter waren wir diesmal, als wir sehen konnten, dass alle Häuser und Räume renoviert waren und sich die Lebensumstände doch sehr gebessert hatten. Die Bewohner, bei denen es sich inzwischen überwiegend um junge behinderte Menschen handelte, hatten viel Freunde an unseren Tänzen. Für den Abend war ein gemeinsamer Abend auf Udzeni geplant. Udzeni, mehr muss hierzu eigentlich gar nicht gesagt werden, denn alle die bereits einmal hier waren, wissen wie schön die Besuche auf dieser Datscha sind. Zuerst bekam jeder erst einmal ein Glas Bowle eingeschenkt und es wurde ein Quiz veranstaltet mit Fragen, die unsere 10-jährige Freundschaft betrafen. Es war schon interessant, an wie viele kleine Ereignisse man sich doch noch erinnern konnte. Die lettischen Damen hatten sich wieder einmal ins Zeug gelegt und ein Buffet mit selbstgemachten Salaten und gegrillten Fleischspießen zusammengestellt. Aber auch das ein oder andere Fässchen Krombacher wurde an diesem Abend geöffnet sowie die mitgebrachten Flaschen des Verler Heimatwassers.

3. Juni 2006

Am Samstag trafen wir uns auf dem Landgut „Naukseni“. Hier konnten wir uns das eingerichtete Museum und die neuerstellte Freilichtbühne ansehen. Da, wie bereits am vergangenen Tag, wieder wunderschönes Wetter war, wurde noch eine Floßfahrt auf der Ruja organisiert. Der Samstagnachmittag war für alle zur freien Verfügung und wurde sehr unterschiedlich genutzt, z.B. mit Fischen auf Udzeni. Wie viele Fische habt ihr noch gefangen??? Am Abend fand das Fest anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Volkstanzgruppe Naukseni auf der Freilichtbühne des Landgutes statt. Hierzu eingeladen waren zwölf weitere Tanzgruppen aus dem Kreis Valmiera sowie der Männergesangverein aus Rheda, der zu gleichen Zeit wie wir in Lettland war. Nach unserem ersten Auftritt bekam jeder von seiner Gastfamilien eine Tasse mit seinem Namen überreicht. Die lettische Tanzgruppe ist sehr stolz auf diese langjährige Freundschaft zur Volkstanzgruppe Marienfeld und war ist der Meinung, dass ein Familienmitglied auch eine Tasse benötigt. Im Anschluss an das Tanzprogramm wurde von unseren Gruppen noch ein gemeinsamen Gruppenfoto für die Presse aufgenommen, bevor es wieder einmal hieß, wir gehen essen und trinken im Landgut. Die unter anderem angebotenen schwarz geräucherten Hähnchenschenkel erwiesen sich als nicht sehr trachtenfreundlich. Anschließend ging es wieder zurück zur Freilichtbühne, wo bereits der Ball im Grünen mit einer Liveband begonnen hatte.

4. Juni 2006

Sonntags führte uns ein Ausflug nach Burtnicki, zu einem Bauernhof, auf dem Hanf angebaut wird. Nachdem uns der Besitzer die Verarbeitung des Hanfs erklärt hatte, wurden wir zu einem Raum geführt, in dem wieder ein gedeckter Tisch auf uns wartete. Hier konnten wir die auf dem Hof hergestellte Hanfbutter auf Brot probieren. Weiter ging es nun zum Schloß Dikli, dass restauriert worden ist und nun als Hotel genutzt wird. Auf der Führung konnten wir die imposanten Zimmer mit wunderschönen Öfen besichtigen. Anschließend fuhren wir zu einer kleinen Kirche in Dikli, wo der Gesangverein Rheda ein Konzert gegeben hat. Für unseren Auftritt auf der Freilichtbühne mussten wir uns nun noch umziehen, aber wo. Wir haben uns ja schon an vielen Orten umgezogen, im Bus und Ungarn im Freibad, aber in einer Kirche, dass hatten wir bisher auch noch nicht. Aber wie heißt es so schön, irgendwann ist immer das erste Mal. Auf der Freilichtbühne hatten den ganzen Nachmittag schon Gesangvereine ihren Auftritt und wir bildeten als einzige Volkstanzgruppe den Schlusspunkt. Nachdem wir in den vergangenen Tagen das schönste Wetter hatten, viel der hier stattfindende Ball im Grünen im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Da saßen wir nun mit Regenschirmen. Unser Vorschlag doch kurzfristig zu einem gemeinsamen Tanzabend zurück zum Kulturhaus zu fahren, wurde gerne angenommen. Auf dem Weg zurück nach Naukseni, haben wir dann noch in Valmiera einen kleinen Stopp am Supermarkt eingelegt, denn tanzen macht ja bekanntlich sehr durstig. Die Kassiererin hat jedenfalls nicht schlecht gestaunt, als nicht nur einige Flaschen Bier gekauft wurden. Im Kulturhaus haben wir uns noch kurz umgezogen, bevor wir mit dem gemeinsamen Tanzabend beginnen konnten. An dieser Stelle noch einmal ein ganz großes Dankeschön an die „Scheiß Kapelle“, ohne Günter und Werner wäre dieser Abend nur halb so schön gewesen.

5. Juni 2006

An unserem letzten Tag in Lettland stand ein Ausflug in die Hauptstadt Riga auf dem Programm. Auch hier konnten wir sehen, wie viel sich in den vergangen Jahren getan hat. Bevor unsere Stadtbesichtigung begann, konnten wir erst noch die Stadt auf eigene Faust erkunden und ein paar Lat z.B. für Bernstein ausgeben. Die junge Dame, die uns durch die Stadt führte, hatte sehr schnell den Reiseführer in Eckhards Hand gesehen und so musste er sich häufiger die spitze Bemerkung anhören, was denn zum gezeigten Objekt in seinem Reiseführer stehen würde. Zum Mittagessen ging es zum Erholungszentrum Lido. Hier hätte Bettina fasst spülen müssen, damit sie etwas zu essen bekam. Das Geld war etwas knapp geworden, da die Wechselstube in Riga mittags nicht mehr besetzt war und sie kein Geld mehr tauschen konnte. Doch Josef hatte noch genügend Lat und konnte aushelfen. So bekam auch noch Bettina etwas zu essen. Von Riga aus ging es dann an die Ostsee nach Jurmala. Da die gebuchte Stadtführerin aus Versehen aber in Riga auf uns wartete, musste erst ein wenig improvisiert werden, bevor Ersatz zur Stelle war. In Jurmala, das sich mit seinen vielen Stadtteilen auf eine Länge von ca. 30 km erstreckt, konnten wir viele moderne und auch restaurierte Häuser und Villen sehen. Unter anderem wohnt auch die lettische Präsidentin in diesem Ort. An der Ostsee hatten wir ein wenig Zeit für einen kleinen Spaziergang. Einige zogen sogar die Schuhe aus und liefen im Wasser den Strand entlang. Bevor es nach Naukseni zurückging, hatten wir eine Stunde Aufenthalt in Jurmala. Da dies ja nun unserer letzter Tag in Lettland war, mussten wir zusehen, dass auch die Lat unters Volk kamen. Bevor es zum Bus zurückging, wurde noch ein kurzer Besuch im Supermarkt abgehalten, um auch für die lange Rückfahrt gerüstet zu sein. Wieso mussten wir eigentlich so oft anhalten? Ihr habt vielleicht Primanerblasen.

6. Juni 2006

Am Dienstag hieß es nun wieder Abschied nehmen von Naukseni und unseren lettischen Freunden. Nach einem gemeinsamen Frühstück im Kulturhaus bedankten sich Gertrud und Ferdi noch einmal ganz herzlich für die entgegen gebrachte Gastfreundschaft in den letzten Tagen. Auch für uns ist es etwas ganz Besonderes, die Freundschaft zu einer ausländischen Gruppe über so einen langen Zeitraum, so intensiv aufrecht zu erhalten, wie sie zwischen Naukseni und Marienfeld besteht. Nach zahlreichen Umarmungen und einigen Tränen machten wir uns gegen 8 Uhr auf den Weg zum Flughafen. Hier wurden wir dann noch einmal von Sarmite, Jannis und seiner Tochter verabschiedet. Hatten wir auf dem Hinflug doch so viel Ärger mit dem Akkordeon, so klappte es auf dem Rückflug wie am Schnürchen. Die Bordcrew sprach deutsch und es war überhaupt kein Problem, das Akkordeon auf dem Sitz festzuschnallen. Es geht also doch. In Berlin hatten wir dann noch einige Stunden Aufenthalt, bevor es mit dem Zug weiterging. Doch im Hauptbahnhof und im nahe gelegenen Regierungsviertel gab es so viel zu sehen, dass die Zeit wie im Flug vergangen war. Nachdem wir unsere Koffer an der Gepäckaufbewahrung wieder in Empfang genommen hatten, ging es einige Male rauf und runter, bevor wir auf dem richtigen Bahnsteig ankamen. Mit dem ICE ging es wieder zurück bis nach Bielefeld, wo uns die Daheimgebliebenen in Empfang nahmen.

Es war nun unser dritter Aufenthalt in Lettland und es war wieder ein voller Erfolg. Ich denke auch diejenigen, die zum ersten Mal mit waren, haben sich sehr wohl gefühlt und würden jederzeit wieder mitfahren