Schon ein halbes Jahr vor unserer Fahrt begannen wir mit unseren Vorbereitungen. Um die Tänze wirklich sicher zu beherrschen und etwas Kondition zu bekommen, wurden zusätzliche Übungsstunden am Sonntagmorgen von 10.00 bis 12.00 Uhr angesetzt. Außerdem hatte sich eine Musikgruppe zusammengetan. Sie sollte das Volkstanzprogramm durch Musikblöcke interessanter gestalten.
Endlich waren alle Vorbereitungen getroffen und der lang ersehnte Tag da. Mit dem Bus fuhren wir nach Düsseldorf. Zur Verabschiedung auf dem Klosterhof hatten sich viele Mitglieder eingefunden, die nicht mitfuhren.
Für die meisten von uns war dies der erste Flug und entsprechend gespannt erwartete man das bevorstehende Ereignis. Endlich war es dann so weit, jeder saß im Flugzeug und der große Vogel hob ab. Der Flug war ein unvergessliches Erlebnis.
Nach neun Stunden landeten wir sicher in Chicago. Hier hatten wir einen 4-stündigen Aufenthalt. Wir überbrückten die Zeit, indem wir in der Wartehalle einige Tänze zeigten. Hier bekamen wir unser erstes Trinkgeld. Nach einem kurzen Inlandsflug erreichten wir Indianapolis und fuhren mit dem Bus weiter nach Jasper. Groß war unser Erstaunen, als wir in Jasper ankamen. Unsere Gasteltern erschienen mit Lederhosen und Dirndl bekleidet. Dieses Bild sollten wir auch in den nächsten 3 Wochen immer wieder zu sehen bekommen. Ein jeder von uns war nach diesem anstrengenden Tag sehr froh, sich endlich schlafen legen zu können.
Am nächsten Abend hatten wir unseren ersten Auftritt in den Vereinigten Staaten. Beim Straßenfest in Jasper zeigten wir unsere Tänze vor einem begeisterten Publikum. Sonntags machten wir mit beim großen Festumzug, der von 196 Wagen gebildet wurde. Ca. 40.000 Zuschauer säumten bei heißem Sommerwetter die Straßen. Der Abschluß des Straßenfestes 1986 wurde im Stadion Jasper gefeiert. Auch hier tanzten wir vor 3.000 Menschen, die Begeisterung war groß.
Die ersten Tage vergingen wie im Flug und am 05.08.1986 hieß es Abschiednehmen. Mit dem Bus ging es weiter nach Cincinnati, Ohio. Dort waren wir untergebracht bei einem Deutschen Club, den Donauschwaben. Der Deutsche Club hatte eine Tanzgruppe, die hauptsächlich bayrische Tänze tanzte. So war es naheliegend, dass wir an einem Abend gemeinsam das Programm gestalteten. Auf dem Founten Square in der Stadtmitte von Cincinnati hatten wir ebenfalls einen Auftritt, der in den Nachrichten des regionalen Fernsehens gezeigt wurde. Besonders interessant war der riesige Freizeitpark von Cincinnati, Kings Island. Hier konnte man sich den ganzen Tag vergnügen.
Vom 08. – 11.08.1986 waren wir zu Gast bei einer Squaredancegruppe in Frankfort, Kentucky. Mit dieser Gruppe haben wir viel gemeinsam getanzt, d.h. sie haben uns einige ihrer Tänze gezeigt und wir tanzten unsere Tänze mit ihnen. Doch auch unsere Freizeit kam nicht zu kurz. Die Gasteltern zeigten uns die Gegend, wir trafen uns zum Schwimmen oder hatten Gelegenheit Boot zu fahren.
In Columbus hatten wir unseren längsten Aufenthalt, 8 Tage blieben wir hier. Tom Crusenberry hatte diese 8 Tage hervorragend organisiert. Wir machten eine Stadtbesichtigung sowie bei der Firma Cummins eine Betriebsbesichtigung.
Interessierten Amerikanern gaben wir an einem Abend die Gelegenheit, leichte deutsche Tänze zu erlernen und gemeinsam mit uns zu tanzen. Dieses Angebot wurde von vielen Leuten gerne genutzt.
Unseren großen Auftritt hatten wir Freitagabend im Commens. Die Halle war bis auf den letzten Platz gefüllt. Wir führten unser 2-stündiges Programm vor. Das Publikum war begeistert und nach dem letzten Tanz standen die Zuschauer auf und klatschten bis der Vorhang fiel und das Programm endgültig beendet wurde.
Doch auch die Freizeit kam nicht zu kurz. Es wurden Tagesfahrten nach Oldenburg, Nashville und Bloomington organisiert. Am Monroe Lake konnten wir uns den ganzen Tag in der Sonne aalen, schwimmen gehen, Boot fahren oder segeln. Viel zu schnell verging die Zeit und am 19.08.1986 hieß es wieder Abschiednehmen.
Weiter ging es zu unserer schon vorletzten Station, Indianapolis. Unsere Gastgeber war der German American Club. Dies war ebenfalls eine Tanzgruppe. Sie tanzten hauptsächlich deutsche und skandinavische Tänze. In der fast ausverkauften Aula einer Schule veranstalteten wir zusammen mit den „Fledermäuschen“, so der Name der Tanzgruppe, ein Abendprogramm. Anschließend fuhren wir ins Vereinshaus der „Fledermäuschen“, wo in der Kellerbar in gemütlicher Runde bis in den nächsten Morgen hinein ausgelassen gefeiert wurde.
Am 22.08.1986 fuhren wir unsere letzte Station an, Battle Creek in Michigan. Es lohnte sich hier nicht mehr die Koffer auszupacken, denn hier blieben wir nur für 2 Tage. Am Samstag wurde ein internationales Festival organisiert. Die Veranstalter hatten Pech, denn das Wetter spielte nicht mit. Es goß in Strömen. Doch da die Bühne überdacht war, konnte der Regen uns nichts anhaben und wir führten beim Straßenfest unsere Tänze vor.
Als wir dann am 24.08.1986 unsere Rückreise antraten und mit dem Bus zum Flughafen fuhren, nutzten wir vorher noch die Gelegenheit und schauten uns Chicago aus der Nähe an. Besonders beeindruckend war für uns der Sears Tower, das höchste Gebäude der Welt.
Ehe wir uns versahen, saßen wir dann auch schon wieder im Flugzeug und flogen zurück in die Heimat. Für uns war dieses ein einmaliges Erlebnis, von dem wir auch in vielen Jahren noch sprechen werden. Besonders wichtig war für uns der Kontakt zu der Bevölkerung in den Staaten. Dies war gegeben durch die Unterbringung in Privatquartieren. Hier bekamen wir einen tiefen Eindruck in die Lebensweise der Amerikaner. In allen 6 Gastfamilien wurden wir gastfreundlich aufgenommen. Die Gasteltern scheuten keine Mühen, unsere Freizeit zu gestalten. Besondere Höhepunkte waren unsere insgesamt 17 Auftritte bei unserer Reise. Da ein großer Teil der amerikanischen Bevölkerung in den von uns besuchten Städten von deutscher Abstammung war, zeigten sie für die dargebotenen Tänze auch besonders großes Interesse. Unsere Auftritte wurden stets mit viel Applaus bedacht und nach der Veranstaltung kamen oft Leute auf uns zu, um sich spontan bei uns zu bedanken. In den 3 Wochen wurden viele Freundschaften geknüpft und beim Abschied floß so manche Träne. Doch einige US-Bürger haben uns in Marienfeld schon besucht oder ihren Besuch bei uns geplant, so dass der Kontakt zu den Vereinigten Staaten nicht abbrechen wird.
Reisebericht von Monika Scharpenberg